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„Wir haben noch viel Arbeit vor uns!“

MH: Hallo Michael! In diesen Tagen beginnen die Sichtungsmaßnahmen für die kommende Serie für die B- und A-Jugend-Teams für die Landesliga – und Bezirksligateams. Den Anfang machen derzeit die B-Jugendlichen. Was sind Deine ersten Eindrücke?

MS: Zunächst einmal möchte ich vorausschicken, dass wir uns bei der B-Jugend mächtig über die große Anzahl an Jungs gefreut haben, die sich für die Landes- oder Bezirksliga empfehlen wollen. Rund 50 Spieler haben den Wunsch und den Mut, sich zu bewerben. Und die Jungs sind mit Feuereifer bei der Sache, sodass Chefcoach Julian Seifert es am Ende sicherlich nicht leicht haben wird, seine 20-22 Favoriten des Jahrgangs 2004 und 2005 für die Landesliga zu benennen. Natürlich sind wir uns aber im Klaren darüber, dass die gegenwärtigen Eindrücke nur eine bedingte Aussagekraft haben, so lange wir im Training nicht in den Wettkampfmodus überwechseln dürfen.

MH: Aber den einen oder anderen Eindruck gewinnen unsere fachkundigen Trainer doch wohl dennoch schon, oder? 

MS: Natürlich lässt sich anhand der ausgesuchten Übungen von Julian schon ein wenig ablesen, ob jemand athletisch oder technisch etwas zu bieten hat. Aber am Ende zählt doch immer noch das, was auf dem Platz im Wettkampf abgeliefert wird. Deswegen sind alle Ergebnisse dieser aktuellen Phase auch nur unter Vorbehalt zu bewerten.

Neben den aktuellen sportlichen Eindrücken über das gegenwärtige fußballerische und athletische Vermögen unserer 15 und 16-Jährigen ist uns aber im ersten Schritt mindestens genauso wichtig, alle Jugendlichen von unserer neuen gemeinsamen Sache, dem JFV Hameln, zu überzeugen. Wir können versprechen, dass für alle Spieler aus den Stammvereinen in ihrer gegenwärtigen Verfassung und Situation in der Kreis-, Bezirks- oder Landesliga in der kommenden Saison Gelegenheit bestehen wird, eine für sie maßgeschneiderte Plattform zu finden. Sei es nun leistungsorientiert oder nur aus reinem Spaß an der Freude und der puren Begeisterung am Kicken mit den besten Freunden!

MH: Das klingt ja schon mal erfreulich und recht vielversprechend.

MS: Ja. Und ähnlich optimistisch sehe ich das natürlich auch bei unserer A-Jugend, wo Cheftrainer und B-Lizenzinhaber Hysen Hasani mit Pascal Lüdtke, Stefan Licht, Jörg Oberheide und Alexander Rebic ein schlagkräftiges Trainerteam zusammengestellt hat, was sich sehen lassen kann. Hysen startet in seine Sichtungen im Weserberglandstadion bekanntlich ja erst am 03./04. Juli.

MH: Gibt es denn gegenwärtig bei aller Anfangseuphorie auch Dinge, die Du nicht ganz so positiv wahrnimmst?

MS: Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass am Transfermarkt ungeheuer rege Clubs wie z. B. der JFV Calenberger Land schon seit geraumer Zeit die Region Hameln quasi als „Selbstbedienungsladen“ entdeckt haben. Wenn in diesem Jahr summa summarum 5 unserer Spieler eines Jahrgangs zu einem Wechsel über den Deister bewegt werden sollten, stößt dies allein schon zahlenmäßig sehr auf. Als langjährigem Jugendtrainer fällt es einem dann schon sehr schwer noch die Contenance zu wahren, wenn sich Vereine dann nach außen als Ausbildungsvereine präsentieren, deren Marketingabteilung mitunter offenbar stärker aufgestellt zu sein scheint als die sportliche Führung in manchen Jahrgängen. Wenn man dann hört, dass sich hinter dem Deister für eine einzige Jugendmannschaft schon mal 30 Spieler in Saisonkader zusammengeworben wurden, fehlen mir einfach die Worte. In solchen Fällen ist der Begriff „Ausleseverein“ wohl deutlich eher angebracht als der des „Ausbildungsvereins“. Aber das ist ja nur die eine Kehrseite der Medaille…

MH: Was meinst Du damit?
MS: Zu einem Transfer gehören ja auch immer zwei Seiten: Die Vertreter des interessierten Vereins und die Spiele und deren Eltern. Und auch hier entwickeln sich die Dinge in den letzten Jahren nicht immer zum Besten…

MH: Kannst Du das vielleicht noch näher ausführen?
MS: Wir Jugendtrainer in nahezu allen Vereinen erleben leider immer häufiger die Situation, dass uns Eltern und auch Spieler nur noch als Dienstleister sehen. Wir Übungsleiter und Vereine sind in den Augen sehr vieler überehrgeiziger Eltern und Spieler – aber zum Glück noch nicht aller – oftmals nur noch die Erfüllungsgehilfen, die die vermeintlichen Megatalente zum allseits erhofften „nächsten Schritt“ weiter zu entwickeln haben. Dabei verkennt die große Mehrzahl leider, dass der „nächste Schritt“ ganz, ganz oft in die Sackgasse führt, verbunden mit immensem Zeitaufwand und am Ende enttäuschten Hoffnungen und gescheiterten sportlichen Existenzen. Man darf nicht vergessen: Nach einer vielbeachteten Studie des Internationalen Fußball Instituts (IFI) im Jahr 2019 stehen nur 3,5 Prozent der Jugendlichen, die seit der Saison 2010/11 die U19-Teams der 56 aktuellen Klubs von der ersten bis zur dritten Liga durchlaufen haben, heute im Kader eines Bundesligisten oder eines Erstligisten in Spanien, Italien, Frankreich oder England. Das sind insgesamt gerade einmal 198 von 5.738 Spielern, wie die Statistiker auf Basis der Daten des Portals transfermarkt.de herausfanden.

Auch ohne Mathematik studiert zu haben, müsste man als verantwortungsbewusstes Elternteil eigentlich schon anhand dieser ernüchternden Zahlen in der Lage sein, eine realistische Einschätzung über die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, dass ausgerechnet der eigene Spross irgendwann mal in die Fußstapfen von Messi, Ronaldo, Neymar & Co. tritt…

Aus unserer Trainersicht und auch der von immer mehr Fachleuten ist es eben in sehr vielen Fällen deutlich weitsichtiger und auch für die Persönlichkeitsentwicklung des Sportlers wertvoller, wenn man einen talentierten Spieler möglichst lange in seiner gewohnten Umgebung belässt, um ihm dort Aufgaben und Verantwortung anzuvertrauen. Softskills, die auch jenseits des Fußballplatzes im späteren Leben von riesiger Bedeutung sind. Wer hingegen permanent dem vermeintlich so wichtigen nächsten Schritt hinterher hechelt, verliert oftmals den Blick für das Wesentliche, wechselt die Vereine wie die Unterhose, verliert das Gefühl für Identifikation, Heimat und Zugehörigkeit und schlussendlich manches Mal auch die Begeisterung am Fußball. Und dann gibt es eben nur noch Verlierer…

Für uns als JFV Hameln bedeutet dies, weiter künftig viel Arbeit und Überzeugungskraft in unsere jungen Athleten zu stecken, damit möglichst viele vom Gedanken JFV „infizieren“. Damit wollen wir die Saat für kommenden Generationen im Ehrenamt und der Vereinsarbeit legen. Das ist für unsere Region mindestens genauso wichtig wie Tore, Punkte oder Meisterschaften.

MH: Vielen Dank für das durchaus kritische Gespräch und natürlich viel Erfolg weiterhin!
MS: Danke dir!

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